Basadhi School-Bauen im ärmsten Bundesstaat Indiens

Basadhi School-Bauen im ärmsten Bundesstaat Indiens
von Kaja Geratowska

(c) Stefan Leitner

Am Ende meines Architekturstudiums habe ich mich dazu entschlossen, ein Diplomprojekt zu entwerfen, von dem nicht nur ich selber einen Nutzen ziehen könnte. Geführt von dem Wunsch nach einer Beteiligung an einer Entwicklungszusammenarbeit, fand ich mich in Indien, alleine im Dorf Basadhi, in dem ärmsten, instabilsten und am wenigsten entwickelten Bundesstaat des Landes – Bihar. Hier sollte das Gebäude, das ich entworfen habe, entstehen. Eine Grundschule für sozial benachteiligte Kinder, deren Realisierung ich durchführen sollte. Auf diesen Moment hatte ich lange gewartet. Vorher mussten ja von meiner Partner-NGO die notwendigen Mittel gesammelt, das Grundstück gekauft und nach einer ausführlichen Recherche auch der Entwurf von mir erstellt werden. Doch all dies war nur ein kleiner Teil des Projektes. Die Hauptaufgabe hat mich in Indien erwartet, wo ich insgesamt 9 Monate an der Vervollständigung des Gebäudes gearbeitet habe.

(c) Stefan Leitner

Eine Frau alleine, die noch dazu eine Baustelle leitet, war kein gewöhnlicher Anblick für die Einheimischen. Von den Mitarbeitern wurde ich ‘Kaja Ingenieur Sir’ genannt – ‘Sir’ und nicht ‘Madam’, weil es für alle so unvorstellbar war, dass eine Frau die Funktion eines Architekten erfüllt und für eine Baustelle zuständig ist. Dieses einfache Beispiel lässt erahnen, dass die komplexe soziale Problematik der Region zu dem schwierigsten Aspekt des Projektes wurde. Zusätzlich zu der Stellung der Frau in der Gesellschaft hatten auch Themen wie beispielweise das Kastensystem, das die starke soziale Hierarchie bestimmt, oder die Alphabetisierungsrate, welche dort am niedrigsten war, einen enormen Einfluss auf meine Arbeit und den Bauprozess. Man kann sich vorstellen, wie schwierig es war, wenn die erfahrenen Handwerker sich nicht trauten, ihre Meinung zu äußern, weil sie sich von meinen Projektpartnern aus der höchsten Kaste eingeschüchtert fühlten. Zudem konnte ich keinen technischen Plan auf der Baustelle vorzeigen oder eine Aufgabenliste erstellen, weil sie niemand lesen konnte.

(c) Stefan Leitner

Die Herausforderungen und Schwierigkeiten haben meinen Baustellenalltag gestaltet und ich musste mich der Realität mit ihren zahlreichen Hindernissen stellen, um schlussendlich ein qualitatives Endprodukt zu liefern. Nichtsdestotrotz ist es mir gelungen, eine sichere, aber auch spielerische Umgebung für die primäre Ausbildung von Kindern zu kreieren. Zu meinen größten Erfolgen zählt meiner Meinung nach die Tatsache, dass es mir gelungen ist, meine Projektpartner von zumindest einer partiellen Anwendung lokaler und nachhaltiger Baustoffe zu überzeugen.

(c) Stefan Leitner

Indien ist ein Schwellenland und die Aufregung nach den neu verfügbaren Produkten ist weit verbreitet. Meine indischen Projektpartner waren beispielsweise sehr skeptisch gegenüber der Verwendung von Lehm, der dort als Baustoff für die Ärmsten gilt. Das schlechte Image war sehr schwer zu ändern und meine Bemühungen langwierig, jedoch lohnten sie sich am Ende und trugen zu einem besseren, angenehmen und gesunden Raumklima bei. Dies wurde dann von den Projektpartnern und Nutzern bemerkt und geschätzt. Die Anwendung von alten, regionalen Handwerken war sehr wichtig für das Projekt. Artikel aus neuen, modernen Materialien wie Kunststoff oder Aluminium ersetzen heutzutage Ware mit einer langen Tradition. Bei der Gestaltung der Schule wurden einfache, herkömmliche Elemente aus der Region verwendet. Ich hoffe, dass durch meine Interventionen auch die einheimische Community gemerkt hat, dass Erzeugnisse und Techniken, die als veraltet gelten, nützlich und attraktiv sein können und keinen Verzicht auf ein kreatives, modernes Design bedeuten.

(c) Stefan Leitner

Am Ende konnte ein zufriedenstellendes Ergebnis erreicht werden, und die Resultate machten die indischen Kooperationspartner stolz auf ihr einzigartiges Projekt. Eine kinderfreundliche Schule mit entsprechenden Lernbedingungen ist entstanden und ich bin stolz, dass ich dazu meinen Beitrag leisten konnte. Ob ich es noch einmal machen würde? Ja, und wie! Trotz der Mühe und Schwierigkeiten warte ich ungeduldig auf weitere Projekte, an denen ich mitwirken kann.

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