Full Scale Studio Africa – Eine Reise ins Unbekannte

Full Scale Studio Africa eine Reise ins Unbekannte
von Francesco Doninelli

Afrika. AFRIKA! Als ich da zusagte, brauchte ich einige Tage, um zu realisieren, dass ich tatsächlich nach Afrika fliegen würde. Ein Traum ging in Erfüllung. Es ging ums bereits begonnene, aber fertig zu stellende MOJO-Project Full Scale Studio Tanzania 2014 in Biharamuhlo. Ich würde mithelfen, ein Teil einer Schule fertig zu bauen, genauer gesagt die Turnhalle, eine Freiraumklasse und Nebenräume. Etliche Feste wurden organisiert, um das Projekt zu finanzieren, ich spielte sogar mit meiner damaligen Band bei einem dieser Charity-Events. Das alles hatte einen Geschmack von einer Frucht, die ich schon lange hatte kosten wollen.

Schließlich ging das Abenteuer los. Der stärkste der ersten Eindrücke vom Kontinent war glaube ich der Geruch. Es roch nach Verbranntem, nach Schweiß und nach… Fülle. Eine Fülle, die ich heute schon fast vergessen habe. Eine gewisse Schwingung in der Luft, die mich ganz verrückt machte. Vielleicht kam das davon, das ich schon so lange davon träumte, Fuß auf diesen alten Ursprungskontinent zu setzen. Eine der nächsten und stärksten Erinnerungen waren glaube ich die Straßen mit vielen Löchern und die ersten vom Jeep-Fahrer gelernten Wörter in Swahili. Seine (des Fahrers) lockere dennoch entschlossene, sichere, dennoch unbekümmerte Fahrweise war reich an Widersprüchen, wie die Klänge der dort am meisten verbreiteten Sprache: exotisch, dennoch familiär, anders, aber nahe. Ganz und gar nicht gewöhnungsbedürftig allenfalls (die Sprache, nicht die Fahrweise).

Abgesehen davon, dass das Mädchen, das mich zum Abenteuer eingeladen hatte (ja, in Wirklichkeit bin ich wegen eines Mädchens dorthingelangt), doch nicht mit uns kam, war ich sehr sehr froh, dort zu sein. Was die nächsten zwei Wochen kam: die der Witterung ausgesetzten, verrosteten Träger schleifen und neu bestreichen. Das witzigste daran war auf denen zu klettern und in unmöglichen Posen versuchen, die ausgenutzten Metallbürsten zum Einsatz zu bringen. Das hatte ich mir ein wenig anders vorgestellt. Ja, was hatte ich mir da eigentlich vorgestellt? Na ja, klar: neues, frisches Universitätswissen nach Afrika zu bringen, damit die armen Menschen dort etwas von uns lernen und ihnen somit geholfen werden kann. Wie wohltätig! Das war nun mal anders. Aus der Desillusionierung kamen aber wichtige Erkenntnisse. Eines davon war, dass es ziemlich schwierig ist, humanitäre Hilfe zu leisten, wenn man nicht flexibel und offen genug ist, sich den Verhältnissen im Land anzupassen. Das bedeutet zum Beispiel, damit zu rechnen, dass die Bauarbeiter, die man engagiert, vielleicht nicht zur Baustelle kommen, weil sie vielleicht eher den Nachbarn im Feld helfen müssen; oder damit, dass die bestellten Holzbalken für die Dachdeckung nicht gerade gerade sind. Man muss dann lernen, zu improvisieren. Und genau das kann man von den Afrikanern am besten lernen, gemeinsam mit einer Lockerheit, die den Grad an Lebensfreude deutlich erhöht und das Grundvertrauen, dass alles okay ist und sich irgendwie ausgeht.

Wir wurden nicht fertig mit der Schule, zum Teil wegen anderen Unterschieden und bestimmten Ereignissen, die ganz und gar nicht positiv waren, auf denen ich im Rahmen dieses Artikels allerdings kein Licht werfen werde, weil es eine ziemlich dramatische Geschichte ist. Manches am allgemeinen afrikanischen Gedankengut könnte sich nämlich schon noch drastisch ändern (das Verhältnis zu Frauen zum Beispiel). Die Schule wurde aber im Jahr 2016 bei einer weiteren MOJO-Reise dann doch fertig gebaut und aus dem, was ich von den Fotos beurteilen kann, sehe ich, dass das MOJO-Team das Improvisieren und das Umgehen mit schwierigen Situationen durchaus gemeistert hat.
Bravo!

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